Wie steht es um die Demokratie?
Der Demokratiemonitor 2026 der Bertelsmann Stiftung zeigt, wie Bürgerinnen und Bürger demokratische Werte, Institutionen und politische Teilhabe bewerten.
Die Akzeptanz der liberalen Demokratie in Deutschland erweist sich als bemerkenswert stabil und widerstandsfähig, obwohl viele Bürger*innen ihr praktisches Funktionieren oft kritischer bewerten. Wie der neue „Demokratiemonitor 2026“ der Bertelsmann Stiftung zeigt, bleiben die Legitimitäts- und Akzeptanzwerte für demokratische Werte und Institutionen auf einem sehr hohen Niveau und haben sich im Zeitvergleich zwischen 2019 und 2025 sogar noch einmal leicht verbessert. Das gilt auch für diejenigen Befragten, die mit dem Funktionieren der Demokratie eher unzufrieden sind.
Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit
In acht Modulen werden die Akzeptanz und Legitimität der demokratischen Werte und Institutionen ebenso untersucht wie ihr Funktionieren in der Praxis: von Wahlen, Parteien, Regierung und Parlament bis hin zu Partizipation, Bürgerrechten, Gewaltenteilung und Öffentlichkeit. In allen zeigt sich eine deutliche Lücke zwischen der Legitimität und der wahrgenommener Umsetzung der Demokratie im Alltag. Während die Zustimmungsquoten zur Legitimität in den acht untersuchten Demokratiemodulen zwischen 77 und 91 Prozent liegen, bewerten nur zwischen 15 und 65 Prozent der Befragten auch ihr Funktionieren überdurchschnittlich positiv.
Am geringsten fällt die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit im Modul Wahlen aus: Mehr als neun von zehn aller Befragten (91 Prozent) stimmen den Werten und Regeln demokratischer Wahlen zu, und immerhin fast zwei Drittel (65 Prozent) bewerten auch ihr praktisches Funktionieren überdurchschnittlich positiv.
Sehr viel größer ist der Unterschied bei den Parteien: Mehr als drei Viertel der Deutschen (77 Prozent) befürworten zwar die Werte und Funktionen demokratischer Parteien. Gleichzeitig sind aber lediglich 17 Prozent der Befragten auch mit dem praktischen Funktionieren der Parteien zufrieden.
Zeichen für demokratische Resilienz statt Krise
Dass die geringe Zufriedenheit mit der praktischen Arbeit von Institutionen bisher nicht zu einer Beschädigung der grundsätzlichen Akzeptanz der Demokratie geführt hat, werten die Studienautoren als starkes Zeichen für demokratische Resilienz. Die weiterhin hohen Zustimmungswerte zur Demokratie deuten darauf hin, dass ihre grundsätzliche Legitimität von einer breiten Mehrheit nicht infrage gestellt wird.
Verbesserte Demokratiewerte trotz globaler Krisen
Ein weiteres zentrales Studienergebnis ist, dass sich die Legitimitätswerte seit 2019 – einem Zeitraum, in dem auch die massiven Belastungen der Coronakrise und des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine lagen – in sechs von acht Modulen um 2 bis 5 Prozentpunkte verbessert haben. Diese Entwicklung unterstreicht, dass die institutionellen Grundlagen der Demokratie in Deutschland fest in der politischen Kultur verankert sind und selbst durch globale Krisen und ihre Auswirkungen auf Deutschland bislang nicht erschüttert wurden.
Kein Grund für Alarmismus, aber klarer Handlungsbedarf
Die Studienautoren warnen davor, die eher schlechten Bewertungen bezüglich der praktischen Umsetzung als Beleg für eine Krise der Demokratie misszuverstehen. Das Fundament der liberalen Demokratie in Deutschland ist und bleibt stabil. Die Studie legt nahe, dass demokratische Resilienz vor allem dort gestärkt wird, wo Bürgerinnen und Bürger erleben, dass ihre Anliegen gehört werden und politische Entscheidungen nachvollziehbar und wirksam sind.
Kommunen können dazu beitragen, die Lücke zwischen Legitimität und Performanz zu schließen, zum Beispiel durch transparente Entscheidungsprozesse, wirksame Bürgerbeteiligung und sichtbare Lösungen für die Probleme vor Ort.
Kurzfassung Demokratiemonitor 2026 - zum Herunterladen
Demokratiemonitor 2026 - Leseprobe und Bestellung
Erscheinungstermin: 08.05.2026
Verlag Bertelsmannstiftung
ISBN 978-3-68933-020-0
1. Auflage 2026
120 Seiten, Broschur
Print: 18,00 Euro
E-Book: 11,99 Euro