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Wie konnte es passieren, dass der Acker zur Fabrik wurde und dass hierzulande verbotene Pestizide per Bumerang-Prinzip dennoch auf unseren Tellern landen? Seit wann gibt es ein Copyright auf Saatgut und wird Wasser als Ressource privatisiert? Wie können wir Preisschocks im Zuge von Krisen abmildern und Ernährungsdemokratie für Viele realisieren? 

Diesen und weiteren Fragen geht der neue Atlas nach und zeigt, wie sehr unser Ernährungssystem von mächtigen Konzernen dominiert wird. Wenige Konzerne setzen Preise durch – von Saatgut und Pestiziden bis zum Lebensmitteleinzelhandel – und beeinflussen massiv politische Entscheidungen. 

Auf 19 thematischen Doppelseiten von Agrarmarkt über China und Dekarbonisierung bis zu Nature Credits und Zucker fächert der Atlas mit Daten, Fakten und vielen erhellenden Infografiken ein Thema auf, das uns alle täglich betrifft. Gleichzeitig präsentiert der Atlas politische Instrumente, die die Markt- und Lobbymacht der Konzerne eindämmen können.

KONZERNATLAS 2026

Herausgegeben von  Heinrich-Böll-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND) und Dachverband Kritische Aktionärinnen und Aktionäre

ISBN 978-3-86928-278-7, 52 Seiten, 1. Auflage, Januar 2026

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Beiträge, Infografiken und Podcasts zum Konzernatlas 2026

Titelbild Konzernatlas 2026, Heinrich-Böll-Stiftung
Titel: © STOCKMAR+WALTER Kommunikationsdesign, Foto: Norman Posselt

"Konzerne stellen viel Geld und Personal bereit, um Gesetze zu beeinflussen. Mit ihrer Lobbymacht halten sie ein System am Laufen, das kleine Landwirtschaftsbetriebe verdrängt, Ökosysteme zerstört und eine gerechte und nachhaltige Lebensmittelproduktion verhindert"

Seite 16, Konzernatlas 2026

Mit 19 Themendoppelseiten und vielen Abbildungen

GESCHICHTE: WIE DER ACKER ZUR FABRIK WURDE
Wenige Konzerne entscheiden, was auf dem Feld, im Supermarktregal und auf unserem Teller landet. Kleine Höfe und die Natur geraten dadurch immer stärker unter Druck. Die historischen Wurzeln dieser Marktmacht reichen zurück bis zur Einführung von Erntemaschinen, Pestiziden und Chemiedünger.

SUPERMÄRKTE: HOHE PREISE FÜR VIELE, GEWINNE FÜR WENIGE
Vier Handelsriesen kontrollieren heute fast den gesamten deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Sie bestimmen, was produziert wird, welche Produkte in Regalen und Tiefkühltheken landen – und wer daran verdient.

LOBBYMACHT: WIE DIE AGRARINDUSTRIE DIE POLITIK KAPERT
Konzerne stellen viel Geld und Personal bereit, um Gesetze zu beeinflussen. Mit ihrer Lobbymacht halten sie ein System am Laufen, das kleine Landwirtschaftsbetriebe verdrängt, Ökosysteme zerstört und eine gerechte und nachhaltige Lebensmittelproduktion verhindert.

BÄCKEREIEN: HANDWERK UND HANDELSRIESEN
Die nationale UNESCO-Kommission würdigt die deutsche Brotkultur wegen ihrer Qualität und Vielfalt als immaterielles Kulturerbe. Doch mittlerweile befinden sich wesentliche Teile der Wertschöpfungskette Getreide, Mehl und Backwaren in der Hand der Industrie. Und immer mehr traditionelle Handwerksbäckereien müssen schließen.

FLEISCH UND MILCH: KÜHE, KAPITAL, KLIMAKRISE
Fleisch- und Molkereikonzerne kämpfen mit ähnlichen Mitteln wie die Fossilindustrie gegen Klimapolitik. Ihre Lobbyarbeit und der politische Backlash blockieren den Versuch zahlreicher Staaten, die Konzerne für ihr klimaschädliches Geschäftsmodell in die Verantwortung zu nehmen.

WASSERPRIVATISIERUNG: DURST AUF PROFIT
Zugang zu sauberem Wasser ist seit 2010 als Menschenrecht anerkannt. Dennoch gerät die lebenswichtige Ressource immer stärker in den Fokus privater Konzerne. Sie pumpen Grund- und Quellwasser ab und verkaufen es mit Markenetikett gewinnbringend in der Flasche – oft zu einem Vielfachen des Preises von Leitungswasser.

ZUCKER: SÜSSES MIT BITTEREN FOLGEN
Viele Konzerne vermarkten ihre hochverarbeiteten Bonbons, Kekse und Schokoladen gezielt an Kinder. Das bringt ihnen schnelles Geld – und den Kindern langfristige Folgen für ihre Gesundheit. In Deutschland bleibt die Politik bislang tatenlos, während viele andere Länder längst strengere Regeln für die Industrie eingeführt haben.

PESTIZIDE: VERKAUF TROTZ VERBOT
Deutsche Konzerne exportieren in der EU nicht zugelassene Pestizide dorthin, wo es an Schutz für Gesundheit und Umwelt mangelt. Für Bayer, BASF, Alzchem & Co ist das ein lukratives Geschäft – und für viele Menschen im Globalen Süden hat es dramatische Folgen.

SAATGUT: PFLANZEN UNTER COPYRIGHT
Saatgut ist die Basis unserer Nahrung. Doch es gerät zunehmend unter die Kontrolle weniger multinationaler Konzerne. Beschleunigt wird diese Entwicklung durch neue Gentechnik. All das verringert biologische Vielfalt und treibt Bäuer*innen auf der ganzen Welt in noch größere Abhängigkeit.

FUTTERMITTEL: WER HINTER DEM SOJA STECKT
Wenige Global Player kontrollieren den Handel mit Futtermitteln, für deren Anbau Regenwald und Savanne abgeholzt sowie Indigene vertrieben werden. Am Ende der Lieferkette landet das Soja von Konzernen wie Cargill unter anderem in europäischen Ställen im Futtertrog.

PREISE UND PROFITE: WER GEWINNT UND WER DRAUFZAHLT
Wie entstehen die Preise für Lebensmittel? Wie verteilen sich Gewinne entlang der Lieferkette? Das bleibt für Verbraucher*innen häufig undurchsichtig. Wissenschaftliche Studien zeigen: Preise kommen selten durch Angebot und Nachfrage zustande, sondern hängen von Machtverhältnissen ab.

DIGITALISIERUNG: BIG TECH PFLÜGT UM
GPS-Sensoren, Cloud-Systeme und künstliche Intelligenz verändern die Landwirtschaft grundlegend. Wenige Konzerne kontrollieren den Markt und treiben Landwirtschaftsbetriebe weiter in die Abhängigkeit.

CHINA: DIE SAAT DER MACHT 
Im globalen Ernährungssystem gaben lange Zeit vor allem US-amerikanische sowie einige europäische Konzerne den Ton an. Mittlerweile sortiert sich der Weltmarkt neu – die Konkurrenz aus China gewinnt immer größeren Einfluss. Viele der chinesischen Konzerne sind in Staatsbesitz: Ihr Aufstieg spiegelt daher nicht nur marktwirtschaftliche Dynamiken wider, sondern folgt einer gezielten Strategie der Regierung.

DEKARBONISIERUNG: GRÜNER UMBAU MIT TÜCKEN
Unser Ernährungssystem belastet das Klima massiv. Technische Ansätze wie grüner Wasserstoff für Dünger, Biosprit und Carbon Farming sollen Emissionen senken oder ausgleichen – doch statt Klimaneutralität schaffen sie neue Probleme.

NATURE CREDITS: NATUR ALS WARE
Die Europäische Union (EU) will mit der Hilfe privater Investoren nachhaltiger werden – und liefert die Natur deshalb Spekulanten aus. Doch um Ökosysteme und Artenvielfalt wirksam zu schützen, dürfen sie nicht länger wirtschaftlichen Interessen multinationaler Großkonzerne geopfert werden.

GENOSSENSCHAFTEN: IDEAL VERSUS KONZERNMACHT
Genossenschaften gelten als demokratisch organisiert. Mittlerweile agieren viele Genossenschaften in der Landwirtschaft jedoch wie multinationale Großkonzerne, die sich am Kapitalmarkt statt am Gemeinwohl orientieren.

AGRARMARKT: MILCH, MACHT, MONOPOLE
Bauernhöfe leiden unter hohen Kosten und haben kaum Verhandlungsmacht: Entlang der gesamten Lieferkette stehen sie Großkonzernen gegenüber. Mit dem Kartellrecht könnte die Politik Bäuer*innen stärken. Davon würden auch Verbraucher*innen und die Umwelt stark profitieren.

PREISREGULATION: SCHUTZSCHILD GEGEN KRISEN
Kriege und Spekulation treiben die Preise für Agrarrohstoffe und Lebensmittel in die Höhe. Öffentliche Nahrungsmittelspeicher können gegen Preisschocks helfen.

ERNÄHRUNGSDEMOKRATIE: UNSERE TELLER, UNSERE ENTSCHEIDUNGEN
Ernährungsdemokratie kann dabei helfen, die Macht der Großkonzerne über den Anbau und Verkauf von Lebensmitteln zu brechen. Ernährungsräte und Modelle solidarischer Landwirtschaft ermöglichen faire Bezahlung für Bäuer*innen und fördern eine gesunde und regionale Ernährung.