Mikroplastik: Wie umweltschädlich sind Kunstrasen wirklich?

22.10.2019 Kunstrasen auf kommunalen Sportplätzen standen in den letzten Jahren im Ruf, vergleichsweise umweltschonend zu sein. Sie wurden als nachhaltige Alternative zu natürlichem Rasen verkauft, der durch Wässern, Düngen, Mähen und das Vernichten von Unkraut oft wertvolle Ressourcen verbraucht, Schadstoffe in die Luft bläst und vermutlich auf Kosten der Biodiversität geht. Eine Studie aus dem Jahr 2018 stellt diese vermeintliche Umweltfreundlichkeit in Frage.
Jürgen Bertling und seine Kollegen vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen suchten 2018 in einer Studie nach Quellen für winzige Kunststoffteilchen. Die in der Öffentlichkeit häufig als Hauptverdächtige genannten Mikroplastikfasern, die beim Waschen von Textilien abgerieben werden, landeten hier nur auf Platz 10. Auf Platz 5 tauchten in der Rangliste hingegen Mikroplastikteilchen aus dem Kunstrasen von Sportplätzen auf.

Allein von Fußballplätzen könnten beim Kicken auf Kunstrasen jedes Jahr knapp 8000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt gelangen, legen die Zahlen der Studie nahe. Eklatant groß sind dabei die Mengen, in denen nach der Studie verloren gegangenes Material ersetzt wird. Die Forscher*innen zitieren zwei Pflegeanleitungen von Polytan aus den Jahren 2012 und 2016, in denen der Kunstrasenhersteller empfiehlt, pro Jahr eine halbe bis eine Tonne Granulat nachzufüllen. Der Hersteller Porplastic soll laut Studie im Jahr 2016 sogar sieben Tonnen Nachfüllung empfohlen haben. Eine weitere Studie soll nun klären, ob tatsächlich solch hohe Verluste an Mikroplastik in die Umwelt zu verzeichnen sind. Artikel zum Thema Mikroplastik auf Kunstrasen:
https://www.spektrum.de/news/die-kunstrasen-kontroverse/1666024?utm_medi...
Studie des Fraunhofer Instituts UMSICHT:
https://www.umsicht.fraunhofer.de/content/dam/umsicht/de/dokumente/publi...
Zum Verbot von Mikroplastik durch EU-Behörden:
https://echa.europa.eu/de/hot-topics/microplastics

Foto: Wikipedia.de, CC BY-SA 3.0