Gender und Sprache: Neuer Stern in Hannover

19.03.2019 Verwaltungssprache soll alle Menschen ansprechen, findet die Stadt Hannover. Frauen und Männer und jene, die sich nicht als Frau oder Mann sehen. Und so lassen Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) und die GRÜNE Gleichstellungsbeauftragte Friederike Kämpfe Taten folgen und ordneten kürzlich für die elftausend städtischen Mitarbeiter*innen verbindliche Schreibempfehlungen an. Künftig heißt es bei Anschreiben der Stadt nicht „meine Damen und Herren“, auch nicht „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sondern geschlechtsneutral „liebe Gäste“, „verehrte Anwesende“ oder „liebe alle“. Ist eine geschlechterneutrale Formulierung nicht möglich, soll der Genderstar (*) verwendet werden. Damit will Hannover der Vielzahl der geschlechtlichen Identitäten Rechnung tragen. Die neue Richtlinie soll schrittweise in Präsentationen, Broschüren, Presseartikeln, Drucksachen, Hausmitteilungen, Flyern, Briefen, Formularen und Rechtstexten umgesetzt werden. Eine einfache Faustregel bei der Anwendung lautet: Geschlechtergerechte Sprache soll überall da angewendet werden, wo es möglich ist.

Einem Flyer können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedene Beispiele für gendergerechte Sprache entnehmen. Aus „Liebe Kolleginnen und Kollegen“ wird zum Beispiel „Liebe Kolleg*innen“, aus „der Teilnehmerliste“ wird „die Teilnahmeliste“ oder aus „jeder“ beziehungsweise „jede“ wird schlicht „alle“.

Mit dieser Entscheidung folgt die Stadt Hannover ihrem Gleichstellungsaktionsplan. Und legt den ersten Leitfaden vor, der sich in seiner Begründung auf das im Dezember 2018 geänderte Personenstandsgesetz beruft. Das neue Gesetz räumt intersexuellen Erwachsenen und Eltern intersexueller Kinder die Möglichkeit ein, als Geschlechtseintrag "divers" zu wählen.

Zur Einführung des Hannoveraner Leitfadens eine Analyse auf Zeit online:

https://www.zeit.de/kultur/2019-01/gender-sprache-geschlechtergerechtigkeit-hannover-leitfaden-gleichstellung

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